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Bodhidharma

Warum Shaolin Mönche mit einer Hand grüßen

Bodhidharma

Im Jahre 495 n. Chr. kam ein indischer Mönch Namens Ba Tuo nach China, um dort eine spezielle Form des Buddhismus - bekannt unter dem Namen "Xiao Xing"-Buddhismus - zu lehren. Vom damaligen König Shao Wen bekam der Indische Mönch ein Stück Land in der Provinz Henan, am Fuße des Shao Shi Berges welcher sich am Ende der mittleren Gebirgskette des Landes befindet. Auf diesem Land des Shao Shi Berges baute der Indische Mönch einen Tempel, den er Shaolin nannte. "Shao", wegen des Berges und "Lin", was kleiner Wald bedeutet, weil der Tempel von einem kleinen Wäldchen umgeben war. Zur selben Zeit als Ba Tuo den Shaolin Tempel gründete, lebte in Indien ein Prinz, genannt Bodhidarma - er war der jüngste Sohn Sugundhas, des Königs von Indien. Bodhidarma hatte zwei ältere Brüder, die sehr eifersüchtig auf die Intelligenz des jungen Prinzen waren und fürchteten deshalb, ihr Vater würde ihm das Königreich vermachen. Sie sprachen vor ihrem Vater immerzu schlecht über Bodhidarma, um ihm ein schlechtes Bild von Bodhidarma zu vermitteln. Sie gingen sogar soweit, dass sie öfters versuchten ihn zu ermorden, jedoch schlugen alle Versuche fehl, da Bodhidarma ein sehr gutes Karma hatte. Das gab Bodhidarma zu denken und er bemerkte, obwohl er der Lieblings-Sohn des Königs war, dass er kein Leben in der Politik führen wollte. Stattdessen beschloss er buddhistischer Mönch zu werden und wurde Schüler eines berühmten Mönches Namens Mu He Jia Ye.

Nach einigen Jahren der Lehre fragte Bodhidarma seinen Meister, was er denn tun solle, wenn er gestorben sei, worauf der Meister antwortete, er solle nach Jen Dan - das damalige Wort für China - gehen. Als der Meister starb, bereitete sich Bodhidarma darauf vor das Land zu verlassen um nach China zu gehen. In der Zeit, als Bodhidarma als Mönch lebte, kam einer seiner älteren Brüder an die Macht um über Indien zu herrschen, doch mittlerweile war bereits dessen Sohn, Bodhidarmas Neffe, der neue König von Indien. Der König hatte seinen Onkel sehr gern und wollte die Taten seines Vaters wieder gut machen und bat ihn deshalb in Indien zu bleiben, damit er sich um ihn kümmern und auf ihn aufpassen könnte. Bodhidarma aber verneinte, denn er wollte Frieden und Harmonie verbreiten und, wie ihm sein Meister geraten hat, nach China gehen. Als der König verstand, dass Bodhidarma nicht bleiben wollte, befahl er Brieftauben nach China zu schicken. Die Vögel brachten die Nachricht, dass ein buddhistischer Mönch namens Bodhidarma auf dem Weg nach China sei und dass die Menschen in China doch bitte auf ihn aufpassen mögen. Diese Nachricht verbreitete sich in ganz China und die Leute wunderten sich was so besonders an diesem Bodhidarma sei, dass sogar der König von Indien über ihn sprach.

Im Jahre 527, 32 Jahre nach der Gründung des Shaolin Tempels, erreichte Bodhidarma die Provinz Kanton in China, wo man ihn "Da Mo" nannte. Bei seiner Ankunft begegnete Da Mo einer großen Gruppe von Leuten die alle wissen wollten, was er denn so Wichtiges zu sagen habe. Doch anstatt zu reden, setzte er sich einfach nieder und begann zu meditieren. Er meditierte einige Stunden lang. Während seiner Meditation stellten ihm einige der dort versammelten Leute Fragen, die er aber nicht beantwortete. Nach einiger Zeit stand Da Mo auf und ging schweigend weg. Seine Meditation hatte ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Menschen ausgelöst. Manche lachten, manche weinten, andere nickten wissend mit dem Kopf, wiederum andere waren verärgert über Da Mos Schweigen. Die Begegnung mit den Menschen machte Da Mo noch bekannter, so bekannt, dass sogar der Kaiser Leung, der das südliche Königreich Chinas regierte, ihn zu sich einlud. Da Mo nahm an, besuchte den Kaiser und sie unterhielten sich. Der Kaiser sprach von all dem Geld, welches er für buddhistische Tempel ausgab und all den Statuen die er im Namen Buddhas erbauen ließ. Dabei fragte er Da Mo, ob er denn nicht ein guter Kaiser sei, weil er so großzügig zu seinem Volk ist und ob er denn nicht viel Gutes getan habe. Doch Da Mo verneinte. Das überraschte den Kaiser zwar, doch sie sprachen weiter. Kaiser Leung fragte Da Mo ob es denn einen Buddha gäbe, doch Da Mo verneinte wieder. Da Mo's Antworten waren nichts anderes als der Spiegel des Kaisers, denn zu fragen, ob er ein guter Kaiser sei, zeigt, dass er nur Lob und Anerkennung wollte für Dinge, die für einen Kaiser selbstverständlich sind, nämlich für das Volk da zu sein und zu helfen. Die Frage ob es denn Buddha gäbe, beweist den Mangel seines Glaubens, denn wenn ein Buddhist nach Buddha fragt hört er nicht auf sein Inneres und glaubt nicht an sich. Die Frage nach Buddha ist Zweifel an dessen Existenz. Die Antworten Da Mos machten den Kaiser wütend und er befahl ihm sofort zu gehen. Da Mo stand einfach auf, lächelte und verließ den kaiserlichen Palast. Da Mo setzte seine Reise Richtung Norden fort und erreichte die Stadt "Nanjing". Dort kam er zu einem sehr bekannten und reich besuchten Platz den man damals den "Blumen Regen Pavillon" nannte. Er traf auf eine Gruppe von Leuten die sich dort um einen lehrenden buddhistischen Mönch versammelt hatte. Der Name des Mönchs war "Shin Huang", welcher noch vor einiger Zeit ein General war und viele Menschen in der Schlacht getötet hatte. Eines Tages realisierte er, dass all diese Menschen auch Familie und Freunde hatten und dass einmal einer von ihnen kommen könnte um sich an ihm zu rächen und ihn zu töten. Das veränderte ihn und er beschloss buddhistischer Mönch zu werden. Er wurde ein berühmter Redner, um den sich die Leute gern versammelten um ihm zuzuhören. Als Shin Huang sprach hörte auch Da Mo seiner Rede zu. Bei manchen Dingen die Shin Huang sagte nickte Da Mo zustimmend und bei manchen Dingen schüttelte er ablehnend den Kopf. Nach einiger Zeit wurde Shin Huang recht verwirrt. Wer war dieser fremde Mönch der gekommen ist und mit ihm nicht übereinstimmt. Schließlich wurde er sehr wütend und er nahm zwei Perlen seiner Gebetskette, zielte auf Da Mo's Gesicht und schlug ihm seine beiden oberen Schneidezähne aus. Da Mo fing sofort an zu bluten und Shin Huang erwartete sich irgendeine Reaktion, doch stattdessen, stand Da Mo auf, lächelte und ging weg. Das verwunderte Shin Huang, also folgte er ihm. Da Mo wanderte weiter Richtung Norden bis er zum "Yangtse-Fluss" kam, welcher das nördliche und südliche Königreich Chinas trennte. Am Ufer des Flusses saß eine alte Frau, die gerade Schilf schnitt. Neben ihr lag bereits ein Bündel Schilf, also ging Da Mo auf sie zu und fragte sie freundlich, ob er denn ein einzelnes Schilf haben könne um über den Fluss zu gelangen. Sie sagte, ja. Er legte das Schilf auf die Wasseroberfläche, stellte sich darauf und wurde durch sein eigenes "Chi" über den Fluss getragen. Shin Huang hatte das gesehen, rannte zu der Frau und ohne sie zu fragen, nahm er eine Hand voll Schilf und legte es aufs Wasser, doch als er sich darauf stellte, ging er unter. Die alte Frau hatte Mitleid mit dem ertrinkenden Shin Huang, also sprang sie ins Wasser um ihn zu retten. "Weißt du warum du untergegangen bist?", fragte sie ihn, " Weil du mich nicht respektiert hast. Du hast mich nicht gefragt ob du etwas von meinem Schilf haben kannst! Und da du mich nicht respektiert hast, hast du auch versagt in der Aufgabe dich selbst zu respektieren". Weiters sprach sie auch, dass er schon sein ganzes Leben einen Lehrer sucht der ihn unterrichtet. Und Da Mo, der Mann dem er folgt, ist dieser Lehrer. Als sie fertig gesprochen hatte, tauchte das untergegangene Schilf wieder auf und Shin Huang wurde sicher über den Fluss getragen und konnte Da Mo weiterhin folgen. Viele Leute glauben, die alte Frau war eine Boddhisatva, die geschickt wurde um Shin Huang zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt war Da Mo nahe dem Shaolin Tempel und als die Shaolinmönche von seinem Kommen hörten, versammelten sie sich um ihn zu empfangen und baten ihn in den Tempel. Doch er antwortete nicht, sondern begab sich geradewegs in eine Höhle auf einem Berg hinter dem Shaolin Tempel, um sich dort hinzusetzen und zu meditieren. Er blieb dort - meditierend, mit dem Gesicht zur Wand - für neun Jahre! Während dieser Zeit blieb Shin Huang immer vor Da Mos Höhle, um ihn vor wilden Tieren und anderen Gefahren zu schützen. Shin Huang bat Da Mo öfters um Belehrung, doch Da Mo antwortete nie. Auch die Shaolinmönche kamen regelmäßig in seine Höhle und fragten ihn, ob er nicht in den Tempel kommen möge wo es viel gemütlicher wäre, doch Da Mo antwortete nicht. Man sagt durch seine lange Meditation brannte sich sein Schatten in die Felsmauer, welche heute im Gedenken an Da Mo im Shaolin Tempel steht. In dieser langen Zeit überlegten sich die Shaolin Mönche was sie für Da Mo tun könnten, damit er zu ihnen in den Tempel und raus aus der Höhle kommt, also widmeten sie ihm ein Zimmer im Tempel, welches sie "Da Mo Ting" nannten. Nach neun Jahren Meditation begaben sich die Shaolin Mönche zu Da Mo in die Höhle und luden ihn ein mit in den Tempel zu kommen, er hätte dort sein eigenes Zimmer und könne dort weiter meditieren. Da Mo stand auf, kam mit, setzte sich in das Zimmer und begann für weitere vier Jahre zu meditieren. Während dieser Zeit war Shin Huang noch immer an Da Mos Seite und wachte über ihn, fragte aber trotzdem immer wieder, wann er denn endlich etwas von ihm lernen würde. Doch Da Mo gab nie eine Antwort. Nach dreizehn Jahren des Schweigens von Seiten Da Mos - es war Winter und der Schnee bedeckte den Boden - wurde Shin Huang nun richtig wütend. Er nahm etwas Schnee und warf diesen auf den meditierenden Da Mo. Aus der tiefen Meditation wachgerüttelt sah Da Mo den wütenden Shin Huang erschrocken an. Shin Huang fragte: "Sag mir, wann werde ich denn endlich etwas von dir lernen?" Doch darauf antwortete Da Mo nur: "Wenn der Schnee rot ist." Nach diesen Worten nahm Shin Huang sein Schwert und schnitt sich seinen linken Arm ab. Das Blut aus seinem Arm färbte den Schnee rot.

Vor dem Shaolin Tempel gibt es fünf Berge, die alle nach ihrem Aussehen benannt sind. Einer davon ist der Trommel Berg, auf welchen Da Mo mit Shin Huang ging, um ihm einen Brunnen zu graben; er solle das Wasser aus dem Brunnen zum Waschen, Trinken und Kochen verwenden. Dieses Wasser schmeckte jedoch bitter, aber trotzdem, Shin Huang verwendete es für ein ganzes Jahr. Nach diesem Jahr ging er erneut zu Da Mo, er solle ihm die nächste Lektion lehren. Da Mo nahm Shin Huang wieder mit auf den Trommel Berg, um dort einen Brunnen zu graben. Das Wasser solle Shin Hung wieder für all seine Bedürfnisse verwenden, und diesmal schmeckte das Wasser würzig. Nach einem Jahr fragte Shin Huang, was er denn nun machen solle, doch Da Mo ging mit Shin Huang erneut auf den Trommel Berg. Er grub wieder einen Brunnen, dessen Wasser er für seine Bedürfnisse verwenden sollte. Das Wasser schmeckte sauer. Nach einem ganzen Jahr ging Shin Huang ein viertes Mal zu Da Mo um sich belehren zu lassen. Da Mo ging aber wieder mit ihm auf den Trommel Berg. Ein vierter Brunnen wurde gegraben und diesmal schmeckte das Wasser süß. In diesem Moment erkannte Shin Huang, dass diese vier Brunnen sein ganzes Leben widerspiegelten. Denn wie dieses Wasser schmeckt das Leben manchmal bitter oder sauer und manchmal ist es würzig oder süß. Alle diese Lebensabschnitte sind genauso schön wie notwendig, denn es ist das, was das Leben ausmacht. Genauso wie es die vier Jahreszeiten gibt. Ohne mit Shin Huang zu sprechen lehrte ihm Da Mo die wichtigste Lektion, mit Geist und Herz verstehen. Nachdem Shin Huang nun verstanden hatte, bekam er den Namen "Hui Ke" und wurde nach Da Mo der dritte Abt des Shaolintempels.

Aus Respekt vor Hui Ke grüssen sich Shaolin Mönche, Schülerinnen und Schüler nur mit einer Hand.